Meinungsforschung (Demoskopie) ist ein Teilbereich der em¬pirischen Sozialforschung. Sie ist die Me¬thode, durch Befragung genau umrissener Bevölkerungsgruppen deren Einstellung zu aktuellen, meist politischen,
wirt¬schaftlichen und sozialen Problemen festzustellen, um so Aufschlüsse
über die Meinungen und Lebensverhält¬nisse der Bevölkerung zu gewinnen .
Die Meinungsforschung beruht auf der Er¬fahrung, dass ein Querschnitt durch die Meinungen und Verhaltensweisen einer relativ kleinen Zahl von Menschen in vielen Fällen ein ziemlich genauer Spie¬gel der Gesamtmeinung oder des Gesamtverhaltens ist , sofern die soziologische Zu¬sammensetzung der befragten Gruppe nach Alter, Geschlecht, Beruf, Einkommen, Wohnweise u. a. die gleiche ist, wie bei der Gesamtgruppe (sog. "repräsentative Stichprobe").
Bei einer Repräsentativbefragung wird in der Regel durch (meist neben-beruflich tätige) Interviewer eine je nach der Größe der zu erforschenden Gesamtheit und dem gewünschten Genauigkeitsgrad unterschiedlich große Zahl von Personen (etwa 1 000 bis 3000) befragt.
Die Antworten erlauben nach ihrer exakten Auswertung Voraussagen von hoher Wahrscheinlichkeit (durch¬schnittlich ist mit Fehlschätzungen von 2%
bis 4% zu rechnen).
Erste Versuche von Meinungsforschung wurden im 18. Jahrhundert unternommen, so z.B. die Untersuchungen (Enquéten) mittels Fragebogen über das Haushaltsbudget der arbeitenden Klassen in England und zur
Lage der Armen .
In den Jahren 1881-1912 hat in Deutschland der "Verein für Sozialpolitik"
unter maßgeblicher Beteiligung von Max Weber mehrere Erhebungen durchgeführt. Den Anstoß zur neueren Entwicklung der Methode gab in den USA der Psychologe G. H. Gallup mit der Gründung des "American Institute of Public Opinion" und durch den bei der amerikanischen Präsidentenwahl von 1936 er¬brachten Nachweis der Überlegenheit relativ kleiner, aber reprä-sentativer Stichproben über die früher hauptsächlich von Zeitschriften durch-geführten Massenbefragungen.
Die Meinungsforschung hat für Wirtschaft, Politik und empirische Sozial-forschung wesentliche Bedeutung; sie umfasst Befra¬gungen zur Marktlage (Marktforschung), zur Feststel¬lung von Bedarfs- und Geschmacksrichtungen der Verbraucher (Verbraucherforschung) und der Aus¬wirkungen von Werbemaßnahmen (Werbeforschung) sowie die Erforschung politischer Einstellungen (Wählerforschung). Da die von der Meinungsforschung ver-mittelte Informa¬tion auch meinungsbildend wirken kann, besteht besonders
im letzteren Fall die Möglichkeit der Meinungsbeein¬flussung (z.B. vor Wahlen) .
Die Auswirkungen veröffentlichter, repräsentativer Meinung sind nach wie vor umstritten; sie hängen z.B. davon ab, mit welcher Zielsetzung Ergebnisse der Meinungsforschung gewonnen und veröffentlicht werden .
In der Bundesrepublik Deutschland entstanden nach 1945 eine große Zahl von Instituten für Markt¬- und Meinungsforschung. Dem Arbeitskreis Deutscher Marktforschungsinstitute e. V., Nürnberg, gehören 27 Mitgliedsinstitute an.
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