Die Beantwortung der meiner Maturaarbeit zugrunde liegenden Frage "Brennstoffzellen, bald eine ernstzunehmende Alternative für die Fahrzeugindustrie?" versuchte ich durch Recherchierarbeiten in der Literatur und bei wissenschaftlichen Instituten, sowie Unterlagen aus der Automobilindustrie und der Energiewirtschaft zu beantworten. Aber auch die praktische Arbeit und deren Ergebnisse halfen mir eine möglichst praxisnahe Antwort zu finden.
Wenn die angesprochene Problematik der Wasserstofftankstellen und der Logistik des Wasserstoffs auf politischer Ebene rasch gelöst werden können, so wäre das ein wichtiger Schritt für eine Stärkung der Wasserstoffwirtschaft und in Richtung serienmässiger Produktion von Brennstoffzellenautos. Forschungen im Bereich der Brennstoffzellen müssen unbedingt vorangetrieben werden, so dass auch die Werkstoffe der Brennstoffzellen preisgünstiger werden und schlussendlich das Brennstoffzellenauto marktfähig wird und einen Konkurrenten zu Benzin- und Dieselfahrzeuge darstellt. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass der angebotene Wasserstoff an den Tankstellen höchstens marginal teurer als Benzin oder Diesel zu stehen kommt.
Sobald Fahrzeuge mit Brennstoffzellen und Wasserstoffverbrennungsmotoren auf unseren Strassen rollen, müsste man meiner Meinung nach die Steuern für solche Fahrzeuge massiv senken, um gegenüber herkömmlichen Diesel- und Benzinfahrzeugen die umweltfreund-
lichen Fahrzeuge attraktiver zu machen und zu fördern.
Das Experiment des praktischen Teils dieser Arbeit hat gezeigt, dass der Wirkungsgrad einer Brennstoffzelle im Vergleich zu einem herkömmlichen Antrieb viel höher ist. Ein Benzinmotor weist einen Wirkungsgrad von 20-30% auf, während eine Brennstoffzelle theoretisch einen Wirkungsgrad bis zu 60% erzielen kann (heutzutage haben sie meist einen Wirkungsgrad um 40%). Der Elektromotor, der die mit den Brennstoffzellenstacks produzierte Energie verbraucht, hat einen Wirkungsgrad von 95% und Autogetriebe haben normalerweise einen Wirkungsgrad von 98% .
Auch die Tatsache, dass die deutschen Konzerne MTU und RWE am 15. Juli 2003 ein gemeinsames Unternehmen namens MTU CFC Solutions GmbH gegründet haben, macht Hoffnung auf erschwingliche und leitungsfähige Brennstoffzellen in absehbarerer Zukunft. MTU ist das Unternehmen, welches die Brennstoffzellen für Daimler Chrysler entwickelt und RWE ist einer der grössten Energieversorger Deutschlands. Zusammen wollen die beiden Unternehmen eine führende Marktposition bezüglich Hochtemperaturbrennstoffzellen erzielen und private Haushalte mit diesem Brennstoffzellentyp versorgen.
Es ist mir nun möglich, die in meiner Maturaarbeit aufgeworfene Frage zu beantworten. Die Brennstoffzelle wird in naher Zukunft ganz sicher eine wichtige Rolle spielen. Ob sie im Strassenverkehr in absehbarer Zeit breiten Einsatz findet, ist fraglich. Meiner Meinung nach wird sie in frühestens rund fünfzehn Jahren die Strassen in den Industrieländern erobert haben. Erst wenn die Infrastruktur für eine Wasserstoffwirtschaft aufgebaut ist und die Regierungen eine wirklich umweltfreundliche Politik verfolgen, ist der Weg für die Brennstoffzelle auf öffentlichen Strassen geschaffen. Zwei der wichtigsten Punkte sind die kostengünstigere Produktion von Brennstoffzellen und das Interesse der Bevölkerung am Wasserstoff. Dank den intensiven Forschungen, die in der Schweiz und Deutschland gemacht werden, gehören die beiden Länder weltweit zu den führenden Nationen in Sachen Brennstoffzellen. So werden die Europäer die ersten sein, die in den Fahrböden ihrer Autos leistungsstarke Brennstoffzellenstacks anstelle von Benzin- und Dieseltanks montiert haben, wie das auch Jürgen Hubbert, Konzernleiter von Daimler Chrysler, in einem kürzlichen Interview mit den folgenden Worten bekräftigte: "Ich selbst hatte gehofft, dass die Brennstoffzelle schneller zum Einsatz kommt (.) Aber es bleibt dabei: Die Brennstoffzelle ist ein Garant für die Mobilität in diesem Jahrhundert."
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