Begriff
Richtung der modernen Malerei; Kunst, die die Naturformen in kubisch-geometrische Partikel auflöst.
Präkubismus
Der Kubismus ist eine Erfindung von
Der KubiSMUS28 ist eine Erfindung von PICASSO29 und von BPAQUE30. Wäh rend Braque aus dem Kreis der Fauvisten kam, stand Picasso zunächst irn Bann Toulouse-Lautrecs und malte in kühlen Blautönen (blaue Periode, 1901-1904) kränklich und verhärmt aussehende Frauen, Küider und Greise. Ein paar Jahre später wurde seüie Palette zwar freundficher (rosa Periode, 1905-1907), aber die Harleküie, Gaukler und Akrobaten umgibt noch inuner eüie Atmosphäre trauriger, hdfloser Verlorenheit.
Picassos SEILTÄNZERFAMILIE, ein Werk aus seiner rosa Periode, befindet sich in einer nicht weiter bestinunbaren, öden Gegend. Keine der Figuren bekommt wirklich Kontakt mit einer anderen, eigentlich gehen alle Blicke üis Leere, auch wenn sie @u@ einen Partner gerichtet zu sein scheinen. jeder blickt in sich, sinnt und denkt nach - vielleicht über die ungewisse Zukunft ihres heimatlosen Außenseiterdaseins. Als Spaßmacher im bunten Kleid des Narren bzw. nüt Flitter und Tand aufgeputzt, wirken sie ausgesetzt in einer kahlen und leeren Welt.
Der Kubismus kündigt sich bei Picasso schon 1907 an, als er nach dem Studium afrikanischer Skulpturen - deren blockartige Struktur ihn faszinierte - zu den \"Demoiselles d\'Avignon\" angeregt wurde. Braque, selbst im Begriffe, sich vom Fauvismus abzuwenden, sah dieses Bild und malte 1908 gemeinsam nüt Picasso die ersten kubistischen Bilder, Lands chxften aus Südfr@eich, deren verblockte Formen eüie krista12rusenartige Struktur bilden. Dabei hat sich sicherlich der Einfluß C6zannes ausgewirkt (Gedächtnisausstellung von 1907), in dessen 13fldem die kubische Existenz aller Dinge bereits akzentuiert wurde. Nach diesen ersten Versuchen entwickelte sich der analvtische KubA\'qmt3S1 der vorzuzsweise Stilleben für seine künstlerischen Experimente heran-
zog.
Beim analytischen Kubismus verliert die Farbe ihr NEtspracherecht, er beschränkt sich auf graubraune und grüraiche Farbtöne. Die formalen Gegebenheiten stammen wohl aus der Objektwelt, werden aber in (meist) geradlüüg begrenzte Partikel (Kuben) zerlegt, die zum Aufbau einer geschichteten Struktur von schwach räun-dicher Wirkung dienen. Dazwischen läßt sich noch Gegenständliches erkennen (Braque, STILLEBEN MIT VIOLINE UND KRUG), in Ansichten, die aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurden. Unsere visuellen Erfahrungen kon-unen auf ähnliche Weise zustande. Wir nehmen von einem Dülg nur dieses und jenes wahr, ohne in der Regel eüi komplettes, reproduzierbares Bild zu besitzen. im analytischen Kubismus wird die naturalistische \"Ansicht\" zu einem Vorstellungsbüd, das Gesehenes
28 Kub-ism-us: Richtung der modernen Malerei; Kunst, die die Naturformen
in kubisch-geometrische Partikel auflöst.
29 PABLO PICASSO (eig. Ruiz y Picasso; 1881-1973): spanischer Maler,
Graphiker, Bildhauer und Keranüker
30 GEORGEs BRAQUE (1882-1963): französischer Klarer und BHdhauer
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