4. Naturerfahrungen im 18ten Jahrhundert oder die Aufklärung Das 18te Jahrhundert ist historisch von einem großen Umbruch geprägt, im Laufe dieses Jahrhunderts begann die seit Jahrhunderten festgefahrene Gesellschaftsstruktur aufzubrechen und das bestehende Ständesystem wurde hinterfragt. Das Monopol auf Wissen und die Wahrheit lag nicht länger nur bei der Kirche; die Wissenschaft als Gegenpol entstand in dieser Zeit und erstmals wurde auch dem einfachen Volk eine alternative Lehre und neues Wissen geboten, das die Position, die sie von Geburt an in Gesellschaft innehatten nicht als gottgegeben darstellte und ihnen eine, wenn auch nur theoretische Möglichkeit anbot den Stand in den sie hineingeboren wurden zu verlassen, und somit eine neue Gesellschaftsform in Aussicht stellte in der nicht die Geburt über den Stand eines Menschen entscheiden würde sondern die im Leben gebrachte Leistung, sowie das erworbene Wissen. Die Aufklärer führten diesen Gedanken aber nicht konsequent zu Ende, sie zeigten die Missstände zwar auf, riefen aber nicht zur Revolution auf. Ihnen lag nicht am Wohl des einzelnen sondern nur am Erweb größeren Wissens und der theoretischen Analyse der Gesellschaftsordnung. Die sich durch die Aufklärung langsam verändernde Stimmung innerhalb der Gesellschaft, vorwiegend natürlich im mehr als 90% der Bevölkerung umfassenden dritten Stand, gipfelte schließlich in der französischen Revolution, in der eine Regierung des einfachen Volkes erreicht werden sollte und der der zu diesem Zeitpunkt noch nicht geflohene Adel inklusive Königshaus zum Opfer fiel.
Dieser Umbruch der Gesellschaft begann in der intellektuellen Schicht, so dass die ersten aufklärerischen Gedanken sich in philosophischen Schriften und literarischen Werken finden lassen, das neue Gedankengut ist dem einfachen Volk nur sehr langsam und nach und nach zugeführt worden, so dass die Literatur des 18ten Jahrhunderts bereits sehr früh in die Epoche der Aufklärung eingeordnet werden kann, obwohl die Gesamtgesellschaft und hier vor allem der dritte Stand erst sehr viel später von diesem Gedankengut nachhaltig beeinflusst wurde. Das wichtigste Zeichen der Aufklärung ist das aufkommen der naturwissenschaftlichen Betrachtung der Welt. Jede Beobachtung die in Natur gemacht werden konnte wurde in der Epoche der Aufklärung streng rational betrachtet und analysiert. War es zuvor so, dass nicht erklärbare Phänomene automatisch von der Kirche und somit theologisch beantwortet wurden gab es mit dem vermehrten Auftreten der Naturwissenschaften eine andere Möglichkeit Unbekanntes zu betrachten und eine wissenschaftliche Antwort auf Fragen zu finden, zum ersten mal in der Geschichte wurden Lehren der Kirche auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht und bekanntes Wissen hinterfragt. Zum ersten Mal wurde jeder, also auch das einfache Volk aufgefordert ihren eigenen Verstand zu gebrauchen und sich nicht länger darauf zu verlassen dass zum einen andere für sie das Denken übernähmen und dass zum zweiten das "Vorgedachte" auch automatisch die Wahrheit sei. Diese neue Form des Denkens spiegelt sich besonders gut im Ausspruch "Lieber Gott, wenn es dich gibt, sei meiner Seele gnädig, wenn ich eine habe" von Voltaire wieder; bisher feststehende Tatsachen wurden plötzlich hinterfragt und sorgten, da sie nicht schlüssig beantwortet werden konnten, vielfach für eine emotionale Leere und Ungewissheit und führten zu den vielfachen Versuchen der Aufklärer Gott über die Naturwissenschaften zu beweisen.
In der Lyrik der Epoche der Aufklärung findet sich daher sowohl ein starker Hang zur Naturwissenschaft, sondern auch immer wieder der erkennbare Versuch Gott seine Rolle in dieser neuen Denkweise zuzuweisen und ihn über die Wissenschaften erfahrbar zu machen.
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