Am 26.8.1789 verabschiedet die Volksversammlung die "Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte", welche die Freiheit und Gleichheit aller garantieren soll (mit Ausnahme der Sklaven in den Kolonien), wobei die Stände aufgehoben werden und das Ancien Régime zu Ende geht.
Trotzdem ist die Nation nun immern noch eine Klassengesellschaft, da die Bevölkerung in Aktiv- und Passivbürger eingeteilt ist; des weiteren sind in der Nationalversammlung gerade mal 2 Bauern vertreten, obwohl diese den größten Bevölkerungsteil repräsentieren.
Allerdings können nun die reichen Bürgerschichten in die Beamtenstellen des Adels vordringen und treten mit ihm in Konkurrez.
Die geistige Grundlage dieser Erklärung beruht auf dem Naturrecht der Aufklärung, vor allem Rousseau ("allgemeiner Wille"), welches jedem Menschen diverse angeborene sowie unveräußerliche Rechte gewährt, so z.B. das Anrecht auf freie Rede und Schrift sowie Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung und der Zugang zu allen Berufen, wobei soziale Unterschiede nur dann bestehen dürfen, sofern dies zur "gesellschaftlichen Nützlichkeit" beiträgt.
Weitere Anlehnungen wären John Lockes Eigentumsvorstellungen (analog der amerikanischen Verfassung), sowie Montesquies Ansichten der persönlichen Freiheit und Sicherheit; kontrastrierend mit Rousseau ist allerdings das Repräsentativsystem sowie eine Gewaltenteilung.
Das Beispiel des Sturmes auf die Bastille als Symbol der Auflehnung gegen totalitäre Unterdrückung erhält mit dem recht auf Widerstand einen hohen Stellenwert; dies wird mit der These, dass die Nation in ihrer gesamtheit Souverän ist.
Die Gesetze sind durch den Gemeinwillen, "volonté générale", der Nation legitimiert, da dieser in seiner Gesamtheit fortan die rechtliche Souveränität begründet.
Der Garant dafür ist die Gewaltenteilung hinsichtlich der Kontrolle der essentiell wichtigen Finanzen sowie der Verwaltung. Aufgrund des Vetos des Königs gegen die Beschlüsse kommt es zu diversen Unruhen. Als am 1. Oktober bei einem Offiziersbankett die weiße Kokarde des Königs verteilt wird und die Tricolore mit Füßen getreten wird, kommt es am 5. Oktober unter dem Ruf nach Brot zu einem Zug nach Versailles, welcher hauptsächlich von Frauen getragen wird. Unter diesem öffentlichen Druck begibt sich der Monarch mit seiner Familie in die Tuilerien, das kgl. Stadtschloss, nach Paris.
Dadurch ist der Monarch von dem Adel isoliert und steht wie die Nationalversammlung unter der Aufsicht des Volkes. Das Exekutivrecht bleibt allerdings noch beim König (die NV muss aber gegenzeichen); des weiteren kann der König nicht von der Nationalversammlung abgewählt werden. Die Minister sind weiterhin dem König verantwortlich.
Bei Gesetzesbrüchen kann gegen den König ein Hochgericht einberufen werden, was eine Parallele zum amerikanischen Impeachment- Verfahren darstellt, wodurch klar wird, dass der Monarch nicht mehr über den Gesetzen steht.
Die Nationalversammlung hat sich zwischenzeitlich bevorzugt der Ausarbeitung einer Verfassung gewidmet, wobei die Verfassung, welche schließlich am 3.September 1791 verkündet wird, noch eine konstitutionelle Monarchie mit legislativen Befugnissen des Königs sowie ein Zensuswahlrecht vor, das die Mehrheit der Bevölkerung von der Teilnahme an der Politik ausschließt.
Der Adel verliert seine gesamten verbrieften Privilegien; im ländlichen Raum geht dieser Prozess etwas langsamer vonstatten.
|