Gattung, Epoche
Drama: Bürgerliches Trauerspiel
Zeit: Sturm und Drang (siehe auch "Deutsche Literatur" Seite 68)
Geschrieben in Prosa im Jahre 1782/83
Einflüsse
Neben diversen schwächeren Einflüssen muss als hochwertiges literarisches Vorbild Gotthold Ephraim Lessings "Emilia Galotti" genannt werden. Bis in einzelne Formulierungen hinein kann man den Einfluss Lessings auf Schillers Drama nachweisen. Lessing war es auch zu verdanken, dass das in England beheimatete "Bürgerliche Trauerspiel" auch in der deutschen Bühnenliteratur ihren Platz fand.
Das bürgerliche Trauerspiel
Das bürgerliche Trauerspiel ist eine zur Mitte des 18. Jahrhunderts entstandene dramatische Gattung, die mit der klassizistischen Auffassung der Tragödie bricht und Probleme des häuslich-privaten Bereichs bzw. den Konflikt der Stände zum Gegenstand der Handlung macht. Damit wurde mit der bis dahin gültigen Ständeklausel gebrochen, die ausschließlich den Adel als Personal der Tragödie vorsah. Der Begriff bürgerlich allerdings hatte zunächst noch nicht die modernen, ökonomisch bestimmten Konturen: Als Akteure des bürgerlichen Trauerspieles fungieren sowohl Bürger als auch Adelige. Ausgeschlossen bleiben die "Großen\" (Fürsten, Könige) und der "Pöbel\". Innerhalb dieses gesellschaftlichen "Mittelstandes\" waren Gesinnung und Bildung die entscheidenden Kriterien.
Anders als in der klassizistischen Tragödie hatte die Handlung im bürgerlichen Trauerspiel keinen öffentlich-politischen Charakter. Nicht der Hof, sondern die Familie war jener Schauplatz, an dem die Figuren sich mit Problemen des häuslichen Lebens, der mitmenschlichen Beziehung und der Moral auseinander setzen.
Im bürgerlichen Trauerspiel dominierten zunächst empfindsame Züge. Erst später kam mit dem Standeskonflikt als bestimmendem Handlungsmoment eine neue Dimension hinzu. Der Einfluss der Empfindsamkeit schlägt sich auch in der Definition des Wirkungsziels nieder: Das bürgerliche Trauerspiel wollte durch "Rührung\" auf Gemüt und "Herz\" zur moralischen Besserung beitragen. Absicht war mithin, die Fähigkeit zum "Mitleiden\" zu aktivieren. Handlung kreist um Tugend und Laster und die mit dem Leiden des vollkommenen oder sich vervollkommnenden Charakters und der Reue der Widersacher (Väter, Rivalen, Rivalinnen usw.) sorgen für Rührung, Mitleid und empfindsame Tränenfluten.
Mit Lessings Emilia Galotti (1772) löste ein anderer Typus des bürgerlichen Trauerspieles die empfindsame Variante ab: Bis zu Friedrich Schillers Kabale und Liebe (1784) wurde nun der meist durch Liebesbeziehungen ausgelöste Konflikt zwischen den Ständen zum charakteristischen Thema. Insbesondere im Sturm und Drang erhielt das bürgerliche Trauerspiel einen dezidiert gesellschaftskritischen Impuls. Neben der Konfrontation von Adel und Bürgertum wurden auch Konflikte zwischen verschiedenen Schichten des Bürgertums thematisiert.
Sturm und Drang
Sturm und Drang ist eine philosophisch-literarische Bewegung in Deutschland von etwa 1765 bis 1790.
Philosophisch grenzt sich der Sturm und Drang ab gegen das rationale Erkenntnisprinzip der Aufklärung, gesellschaftspolitisch richtet er sich gegen die herrschende Ständeordnung und die erstarrten sozialen Konventionen, also auch gegen die Regelpoetik etwa des französischen Klassizismus.
Tendenzen der Empfindsamkeit werden fortgeführt (siehe oben), und es etabliert sich ein Schreibmodell, das sich an der intuitiven Schöpferkraft des Individuums orientiert (diese Idee dichterischer Freiheit wurde später etwa in der Romantik und im Expressionismus wieder aufgegriffen). Im Mittelpunkt der Sturm-und-Drang-Poetik stehen Emotionalität und Spontaneität des - vor allem lyrischen - Ausdrucks, also das Drama, wobei dessen Aufbau dem seit Aristoteles als verbindlich geltenden Gattungsschema (Einheit von Ort, Zeit und Handlung etc.) bewusst zuwiderläuft.
Bevorzugte Themen sind der tragische Konflikt eines markanten Individuums mit der Gesellschaft oder dem Geschichtsverlauf sowie der Zusammenprall von Gefühl und Ehrenkodex.
Themen/Kritik
absolutistische Herrschaft und schrankenlose fürstliche Machtpolitik
menschenverachtende Politik der Geldbeschaffung
Mätressenwesen
-> Kritik an höfischer Gesellschaft und Absolutismus bzw. der Ständegesellschaft
Schiller: persönliche Kritik an seinem Landesfürsten
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