Sein Leben
Johannes Tauler (auch Taler, Taweler ) dessen Geburtsdatum unbekannt ist, ( man schätzt dass er zwischen 1300 und 1310 in Straßburg geboren wurde ) war ein deutscher Mystiker, der jetzt am Hauptportal der neuen Kirche in Straßburg begraben liegt. Er starb am 16.6.1361. Diese Datum ist auch Gedenktag der evangelischen Kirche. Sein Name bedeutet "Gott ist gnädig" und kommt aus dem hebräischen.
Mit 14 trat der junge Tauler in den Dominikanerorden ein und erhielt die damals übliche 6-7 jährige Ausbildung in den Fächern Naturwissenschaften, Logik und Theologie. Ob Johannes anschließend zu einem höheren theologischen Studium nach Köln geschickt wurde und dort mit Eckhart und Seuse zusammentraf, ist umstritten. Bis 1338/39 wirkte er als Prediger und Seelsorger in Straßburg. (Er lehrte in der Sprache des Volkes ein praktisches Christentum in tätiger Liebe) Aufgrund der Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst wurde der Dominikanerkonvikt, und mit ihm Tauler vom Papst gezwungen, Straßburg zu verlassen. Daraufhin zog der Orden nach Basel. Dort kam Johannes in Kontakt mit Heinrich v. Nördlingen und dem Kreis der Gottesfreunde. 1346/47 kehrte er nach Straßburg zurück und fand auch dort einen Kreis von Gottesfreunden vor, u. a. Rulman Merswin. Reisen führten ihn wiederholt nach Köln, Paris und Holland. Er stand in Verbindung mit Heinrich Seuse, Heinrich v. Loewen, Johannes Ruysbroek, Egenolf v. Ehenheim, Dietrich v. Colmar, Christine und Margareta Ebner, Venturio v. Bergamo. Ein 1364 auftretendes Buch, später auch "Meisterbuch" genannt gibt Auskunft darüber mit welcher geistigen Strömung Tauler in Verbindung gebracht worden ist und beschreibt, nach Meinung der Fachleute, den wichtigsten Abschnitt von seinem Leben. Das Buch heißt eigentlich der "Gottesfreund im Oberland" und stammte von einem unbekannten Verfasser. In dem Buch geht es hauptsächlich um "Ethisches Erneuerungstreben" und es ist somit auch ein Hinweis auf den Verfasser, der wohl ein Mitglied der "Gottesfreunde" war, denn die Art und Weise wie das Meisterbuch geschrieben war, ließ auf die mystische Frömmigkeitsbewegung als Autor schließen. Diese Gruppierung ist eine unorganisierte Gemeinschaft die nach Glaubensvertiefung und ethischer Entwicklung sucht. Ob Tauler dieser Gruppe nahestand ist auch heute noch umstritten.
Seine Lehre
Sie ist auf dem Hintergrund zeitbedingter Umstände zu sehen. Zum einen zeigen sich Verfallssymptome im eigenen Orden (Das Gemeinschaftsleben wird zugunsten von persönlicher Bequemlichkeit aufgegeben) zum anderen tragen Kaiser und Papst einen politischen Konflikt aus was zu einer erheblichen Einschränkung der Gottesdienstarbeit in den Klöstern führte. Zu diesem Zeitpunkt trat die private Seelvorsorge in den Vordergrund. Als im Jahre 1439 auch noch die Pest ausbricht verschlechtert sich die Lebensmittelversorgung und das Wirtschafts- und Bildungssystem extrem, bis sie nach 7 Jahren endet und in Europa ein Viertel der Bevölkerung vernichtet hat. Dieses schlimme Ereignis wurde als Strafe Gottes empfunden und äußerte sich in Aberglaube, Teufelskult und Gottesverleugnung.
Seine Lehre basierte deshalb auf den beiden Standpunkten: Vereinigung des Menschen mit Gott in "unio mystica" und ethische Vervollkommnung des Menschen, denn nach Tauler strebt der Mensch von Natur aus die Annäherung an Gott an; das vollkommene Sein Gottes ist sein Ziel. Um diesen Zustand zu erreichen muss der Betroffene jedoch erst einmal zu einer persönlichen inneren Einheit gelangen. Tauler gibt Ratschläge und Anweisungen zur Vorbereitung auf die Erfahrung der "unio mystica", der Seins Erfahrung, in der der Mensch die Zusammengehörigkeit alles Seienden erlebt. An seiner Lehre kann man nur teilweise aktiv teilhaben. Die Liebe zu Gott ist Antrieb für den Willen und entscheidender als Vernunft und Verstand. Die Erfahrung der Gottesvereinigung, bestimmt von Gefühl und Erlebnis, dagegen kann nicht herbeigeführt werden. Die aktive persönliche Vorbereitung ist für das mystische Erlebnis Voraussetzung. Die persönliche Erfahrung religiöser Inhalte - in je individueller, zeitgebundener Ausgestaltung - und die aktive, auf das alltägliche Leben gerichtete ethische Verantwortung sind Ziel der Entwicklung zu und in der Gottesvereinigung und Kern Taulerscher Mystik.
Seine Werke
Von Tauler sind keine Schriften überliefert. Er wirkte vor allem durch seine Predigten von denen 84 bekannt sind. In diesen Predigten kritisierte er unkirchliche Mystik sowie die Unzulänglichkeit innerhalb der Kirche an sich. Martin Luther schätzte diese Theologie sehr. Im 16. Jahrhundert ist Taulers Werk in der katholischen Kirche deshalb kurzzeitig in den Verdacht der Häresie und auf den Index der verbotenen Bücher gekommen.
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