Noch heute gilt Trakls Dichtung weitgehend als rätselhaft und dunkel. Der Annäherung durch die "klassischen" Verstehensweisen tritt, nach Killy, die - vom französischen Symbolismus in die ästhetische Theorie überführte - Einsicht entgegen, daß dichterische "Sprache spricht, ohne zugleich mitzuteilen". Trakls "Sprache ist in einem eigenen raum zu Hause, der nicht notwendig der Raum des Lebens ist". Bei Trakl selbst ist die Neigung zu erkennen, daß er mit seiner eigenen Sprache den "Sprachgeist" überhaupt zu restituiren, sich mit den ihm entwickelten Formen einer Poesie pure von der Sprechwelt zu entfernen und damit zugleich die Entfremdung zwischen innerer und äußerer Realität unerbittlich hervorzuheben. Nur wenige Zeitgenossen haben das "Neue und unwiederholbare" von Trakls Lyrik erkannt, "ihre völlig geschlossene in sich ruhende Welt". Man hat ihn den Dichtern des sogenannten Expressionismus wohl in der Absicht zugerechnet, die poetische Produktion der Epoche zwischen 1910 und 1920 als überpersönliche Antwort auf die Wende eines Zeitalters verstehen zu können. Doch gerade an Dichtern wie Trakl mag der Epochenbegriff zweifelhaft werden.
In diesem, einer der letzten Werke Trakls, spürt man die Durchdringung von Lebens- und Persönlichkeitsgeschichte. Aber auch Schuld, Angst, Paranoia und Aggression spürt man zwischen den Zeilen. Die Ahnung des Verfalls und der Verwesung dringen durch. Trauer um die verlorene3 Schöpfung, Wahn und Verlorenheit greifen in diesem Zyklus ineinander.
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