Das dritte Schauspiel \"Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär\"(1826) gibt eine Verherrlichung der Zufriedenheit. Hier wird die Handlung bereits aus dem Charakter heraus entwickelt. Die allegorischen Figuren von Jugend und Alter, Neid, Haß und Zufriedenheit sind lebendig gestaltet und wirken ergreifend, da sie immer in Verbindung mit dem Schicksal des Bauern Wurzel erscheinen, wodurch sie zu Symbolen für innere Vorgänge werden. Auch ist die irdische Welt bereits von der Überwelt des Geisterreiches getrennt, sodaß die Feenwelt nur noch als Rahmen Bedeutung hat.
Uraufführung 1826 im Theater in der Leopoldstadt. Ein Bühnenstück in drei Akten.
Interpretation
Dieses "Zaubermärchen" soll den Unterschied von arm und reich aufzeigen; wie Reichtum den Menschen verdirbt. Auch ist es eine Kritik an der immer mehr materialistisch werdenden Gesellschaft dieser Zeit, die sich in den Vorurteilen der Leute widerspiegelt.
Die Lösung wird in der Zufriedenheit, in der Rückkehr zur romantischen Idylle gesucht. Perso¬ni¬fiziert ist dies in Lottchen, der treuen Unschuld, mit ihren reinen Gefühlen und Absichten..
Sprachlich ist das Stück in drei Kategorien zu unterteilen: in den vortragartigen Stil der Lakrimosa und der "Zufriedenheit". Weiters in die Umgangsprache von Fortunatus Wurzel und der reinen Gefühlssprache von Lottchen. Lieder, wie das "Aschenlied" oder das "Lied der Jugend", werden auch außerhalb des Stückes im österreichischen Sprachraum bald sehr bekannt.
Inhalt:
Die Fee Lacrimosa muß ihre Tochter einem armen Bauern zur Erziehung überlassen, da sie wegen ihres Hochmuts von der Feenkönigin bestraft wird. Lottchen, ihr Kind, kann sie nur dann wiedersehen, wenn es vor dem 18. Lebensjahr einen armen Mann heiratet, der ihre erste Liebe sein muß. Der Neid, der von der Fee als Freier abgewiesen wurde, läßt nun den Bauern Fortunatus Wurzel einen Schatz finden, den er jedoch nicht verwünschen darf. Er will hoch hinaus und verweigert seine Zustimmung zur Heirat Lottchens mit dem armen Fischer Karl. Lacrimosa hat jedoch hilfsbereite Freunde, die ihr beistehen. Wurzel wird plötzlich alt, er verflucht seinen Reichtum und wird wieder arm. Der Haß und der Neid haben mittlerweile den Fischer Karl mit Reichtum bedacht. Als er jedoch vor die Wahl gestellt wird, zwischen seiner Braut und dem Besitz des Geldes zu entscheiden, verzichtet er auf seinen Reichtum. Nun hat endlich Lacrimosa gesiegt. Sie kann Lottchen einen bescheidenen Wohlstand verleihen, und der gealterte Fortunatus Wurzel erhält wieder seine frühere Gestalt.
Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Geschichte des über Nacht reich gewordenen Bauern Fortunatus Wurzel, der durch sein Protzentum bald wieder verarmt und schließlich gemeinsam mit seiner zunächst unglücklich liebenden Pflegetochter Lottchen doch wieder zum Glück zurückfindet. Dies geschieht in dem Augenblick, als Wurzel und Lottchens Bräutigam, der Fischer Karl, nichts anderes als nur bescheidene Genügsamkeit und innere Zufriedenheit im Leben anstreben.
Berühmt ist jene Szene geworden, in der die Jugend, eine Glanzrolle der Therese Krones, der größten Volksschauspielerin dieser Zeit, von dem altwerdenden Fortunatus Wurzel mit dem Liede \"Brüderlein fein\" Abschied nimmt.
In den beiden folgenden Stücken \"Moisasurs Zauberfluch\" (1827) und \"Die gefesselte Phantasie\" (1828) sucht Raimund, den Stil der großen Tragödie zu erreichen, was ihm aber nicht ganz gelingt.
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