\"5. SZENE
ROLANDER Stimmen Sie mit mir überein, daß ein Fellow-Traveller für ein geheimes Kriegsprojekt eine potentiell größere Gefahr der Indiskretion darstellt?
OPPENHEIMER Potentiell ja. Es kommt auf den Menschen an.
ROLANDER Ist es zutreffend, Dr. Oppenheimer, daß in Los Alamos eine beträchtliche Anzahl von Wissenschaftlern Fellow-Travellers waren?
OPPENHEIMER Nicht besonders viele. Weniger als in Berkeley zum Exempel. Aber wir hätten damals einen Mann vom elektrischen Stuhl geholt, wenn wir ihn gebraucht hätten, das Ding auf die Beine zu stellen.
ROLANDER Was ich mir nicht erklären kann, Sir, warum gerade so viele Fellow-Travellers vom elektrischen Stuhl geholt wurden?
OPPENHEIMER Weil es viele Physiker mit linken Neigungen gab.
ROLANDER Wie erklären Sie sich das?
OPPENHEIMER Physiker interessieren sich für neue Dinge. Sie experimentieren gern und ihre Gedanken sind auf Veränderungen gerichtet. Bei ihrer Arbeit, und so auch in politischen Fragen.
ROLANDER Viele Ihrer Schüler gerade waren tatsächlich Kommunisten oder Mitreisende, nicht wahr?
OPPENHEIMER Einige, ja.
ROLANDER Weinberg, Bohm, Lomanitz, Friedmann?
OPPENHEIMER Ja.
ROLANDER Und Sie haben diese jungen Leute nach Berkeley oder Los Alamos empfohlen?
OPPENHEIMER Ich habe sie als Wissenschaftler empfohlen, ja. -Weil sie gut waren.-
ROLANDER Rein fachlich. Ich verstehe.
OPPENHEIMER Ja.
ROLANDER Viele Ihrer intimen Bekannten und Freunde, fachlich und jenseits des Fachlichen, waren ebenfalls Fellow-Travellers, nicht wahr?
OPPENHEIMER Ja. Ich finde das nicht unnatürlich. Es gab eine Zeit, da das sowjetische Experiment eine große Anziehungskraft auf alle diejenigen ausübte, die den Zustand unserer Welt nicht befriedigend fanden, und ich denke, er ist wirklich nicht befriedige nd. Heute, da wir das sowjetische Experiment ohne Illusionen betrachten, heute, da uns Rußland als eine feindliche Weltmacht gegenübersteht, verurteilen wir die Hoffnungen, die viele Menschen an den Versuch geknüpft hatten, vernünftigere Formen des menschl ichen Zusammenlebens mit größeren Freiheiten und größerer sozialer Sicherheit zu finden. Das scheint mir unweise, und es ist unzulässig, sie dieser Ansicht wegen herabzusetzen oder verfolgen zu wollen.
ROLANDER Ich will niemanden herabsetzen, Sir, und ich verfolge nur die Frage, ob nicht ein Physiker, der soundsoviel Freunde und Bekannte hat, die Kommunisten oder Mitreisende waren, ein größeres Sicherheitsrisiko ist. Ist er nicht tatsächlich ein größeres Sicherheitsrisiko?
OPPENHEIMER Nein.
ROLANDER Sie meinen, es ist auch heute gleichgültig, wie viele kommunistenfreundliche Bekannte -
OPPENHEIMER Ich meine, daß man einen Menschen nicht auseinandernehmen kann wie einen Zündsatz. Die und die Ansichten, die und die Sicherheit. Soundsoviel Bekannte, die Fellow-Travellers sind, soundsoviel Sicherheit. Das sind mechanische Torheiten, und wenn wir in Los Alamos so verfahren wären, so hätten wir die besten Leute nicht eingestellt. Wir hätten dann vielleicht das Laboratorium mit den tadellosesten Ansichten der Welt gehabt, aber ich glaube nicht, daß es funktioniert hätte. Die Wege der Leute mit erstklassigen Ideen verlaufen nicht so gradlinig, wie sich das die Sicherheitsbeamten träumen. Mit tadellosen, das heißt konformen Ansichten macht man keine Atombombe. Ja-Sager sind bequem aber uneffektiv.\"(23)
Begründung:
Diese Textstelle zeigt deutlich, in welcher Situtation die Wissenschaftler damals steckten. In diesem Wettrennen mit der Zeit kam es nur darauf an, als erstes die Bombe (Atom- und Wasserstoffbombe) zu entwickeln. Jahre später werden Wissenschaftler, die im Auftrag ihres Landes die Bombe erfolgreich entwickelten daran gemessen, welcher politischen Richtung sie angehörten. Besonders der Satz \"Ja-Sager sind bequem aber uneffektiv.\" hat für mich einen bleibenden Eindruck.
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