In der Dritten Republik, de¬ren erster Präsident Adolphe Thiers war, nahm Paris einen unvergleichlichen Aufschwung. Zerstörte Bauten wurden re¬stauriert, begonnene Projekte, darunter die Opéra, vollendet und in einem wahren Bau¬rausch zahlreiche Neubauten errichtet. Damals, im Jahr der Weltausstellung von Paris, entstand der Eiffelturm. Ende des 19. Jh. war Paris unbestrittener kultu¬reller Mittelpunkt, der Künst¬ler aller Art, aber auch Revolu¬tionäre magisch anzog: 1900 kam Picasso aus Barcelona, dann folgten Modigliani aus Livorno, Soutine aus Minsk, Strawinsky aus Petersburg, Gertrude Stein aus San Fran¬cisco, Oskar Kokoschka, Max Ernst, Claire und Yvan Goll aus Deutschland und viele ameri¬kanische Schriftsteller.
Die beiden Weltkriege for¬derten ihren Tribut. Während es der deutschen Armee im Er¬sten Weltkrieg nicht gelang, Paris zu erobern, besetzte sie im Zweiten die Stadt vier Jahre lang, vom Juni 1940 bis zum August 1944. Es dauerte einige Zeit, bis sie sich wieder erholt hatte. Den Einzug General de Gaulles mit den Truppen der Division Leclerc über die Champs-Elysées am 26. Au¬gust 1944 wird wohl kein Fran¬zose jener Generation verges¬sen. In mancher Hinsicht war die Anziehungskraft von Paris in der Zwischenzeit aber an New York übergegangen.
Doch Jean-Paul Sartre hiel¬t den Ruf von Paris lebendig. Im Mai 1968 ließen Studen¬ten etwas vom alten revolu¬tionären Geist der Metropole aufleben: Die Pflastersteine des Quartier Latin trafen das selbstgefällige Etablissement von de Gaulles Fünfter Repu¬blik. Präsident Georges Pom¬pidou demonstrierte den neu¬en Wohlstand mit ufernahen Schnellstraßen und Hochhäu¬sern, doch sein Glanzstück war das einst umstrittene, inzwi¬schen äußerst populäre Kultur¬zentrum Beaubourg. Seit 1977 regiert Jacques Chirac als erster demokratisch gewählter Bürgermeister Pa¬ris. Über 100 Jahre lang, seit den chaotischen Tagen der Kommune, ernannte die Staatsregierung die Stadtprä¬fekten. Nun, in einem Land, in dem Politiker gleichzeitig als Bürgermeister und Pre¬mierminister fungieren kön¬nen, rühmen sich die Pari¬ser eines doppelt ehrgeizigen »Motors«, der staats- und stadtpolitische Interessen ver¬folgt: sauberere Straßen, mehr Sportplätze und Schwimmbä¬der.
In der Regierungszeit von Präsident Francois Mitterand hat sich dieser mit einem eigenen Programm pro¬filiert, auf dem auch die Neu¬gestaltung des Louvre - um eine riesige Glaspyramide - steht.
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